Impressionen vom 1. Forum Weitblick 2017


1. Forum Weitblick

1. Forum Weitblick (Copyright alle Fotos: Santiago Engelhardt)

Die Agenda 2030 der UN steht für die globale Vision einer besseren Welt – nicht nur als Hoffnungsschimmer, sondern auch als Richtungsweiser für die Zukunft kommender Generationen. Doch wie stehen die Chancen für die Umsetzung der Agenda? Wie sichern wir die Ernährung? Was tun angesichts des Klimawandels? Und wer bezahlt das alles? Zu diesen und anderen Fragen diskutierte das 1. Forum Weitblick mit nahmhaften Experten in Berlin.

 

 

 

 

Das Thema:

Es klingt wie eine Utopie, diese Vision von einer sicheren und gerechten Welt für alle. Und doch haben die Vereinten Nationen in seltener Einigkeit diese Vision in verbindliche Vorgaben gegossen: Mit der Agenda 2030 und den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung haben sie im September 2015 in New York ein umfassendes Regelwerk verabschiedet, das eine lebenswerte Welt für alle schaffen könnte – wenn Politik, Verbraucher, Unternehmen und Finanzwirtschaft sich daran halten und es umsetzen.

Der Handlungsbedarf ist dringend. Die Einigkeit der UN entstammt der Einsicht, dass der Klimawandel die Erde tiefgreifend verändern wird, und dass der auf hohem Wohlstandsniveau lebende Teil der Menschheit nicht wirtschaften und verschwenden kann wie bisher, wenn wir ein gutes Leben und Sicherheit für alle Menschen weltweit erreichen wollen, wenn wir Konflikte lösen, Krisen bewältigen, besser noch verhindern wollen, wenn wir Hunger beseitigen sowie Armut, Ungleichheit und die daraus resultierenden gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen verringern wollen.

Deutschland lädt dieses Jahr zum G20-Gipfel ein. Die Gruppe der großen Industrienationen und wichtigsten Schwellenländer repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung, vier Fünftel des globalen Bruttoinlandsprodukts und ist verantwortlich für mehr als drei Viertel der Treibhausgasemissionen. Damit ist ihre Politik entscheidend für die Umsetzung der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, der Sustainable Development Goals (SDGs). Ein weiterer Anlass für uns Journalisten, zu prüfen, wie ernst die Umsetzung der verbindlichen Agenda 2030 von den politischen und unternehmerischen Entscheidern genommen wird.

Deswegen diskutierte das Netzwerk im März 2017 in Berlin mit Fachleuten aus Theorie und Praxis, wie es um diese Umsetzung steht – in der Entwicklungs- und Ernährungspolitik, im Finanzsektor, in der Bildung. Dabei ging es auch dezidiert darum, welche Rolle nicht nur Politik und Zivilgesellschaft, sondern auch den Medien in diesem Prozess zukommt. Im Anschluss stellten ausgewählte Unternehmensvertreter im Rahmen einer „Ideenbörse“ vor, welche Ansätze und Projekte sie im Hinblick auf ein nachhaltige Entwicklung verfolgen.

Die Vorträge:

Simona Costanza Sow

Die Agenda 2030 und die SDGs

Referentin: Simona Costanzo Sow, Kurskoordinatorin United Nations System Staff College

„Die SDGs sind in Deutschland zwar in die Nachhaltigkeitsstrategie integriert, dennoch agieren auch hier noch zu viele Akteure zu isoliert voneinander.“

-> Die Präsentation von Simona Constanzo Sow als PDF

 

Franz-Josef RademacherWie stehen die Chancen für die Umsetzung der SDGs? Studie für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Referent: Prof. Dr. Franz-Josef Radermacher, Mitglied des Club of Rome; Universität Ulm; Institut für Datenbanken und Künstliche Intelligenz sowie Vorstand des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n)

 „Wir eignen uns an, ohne etwas zurückzugeben. Die Schlüsselfrage ist deshalb der Finanzausgleich zwischen Nord und Süd.“

 

Gerrit HansenG20 und die SDGs – was tut Not angesichts des Klimawandels?

Referentin: Dr. Gerrit Hansen, Internationales Klimateam Germanwatch

„Es ist genug Geld da, das mitunter verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten sucht. Da ist es sinnvoll, es im Sinne eines ’shifting the trillions‘ in grüne Bereiche zu lenken.“

 

Franz FischlerZero Hunger – globale Ernährungssicherheit: Was können / was sollten die G20 tun?

Referent: Franz Fischler, EU-Kommissar für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei (1995–2004); Vorstand des wiss. Lenkungsausschusses der EU für die Expo Milano 2015 („Den Planeten ernähren“)

„Wenn die Ernährung weltweit so ist wie in Europa, wird das 2-Grad-Ziel voll ausgeschöpft sein“

-> Die Präsentation von Franz Fischler als PDF

 

Katja Römer

Hochwertige und chancengerechte Bildung für alle

Referentin: Katja Römer, Pressesprecherin Deutsche UNESCO-Kommission

„Es gibt große ökologische Wissenslücken in der Bevölkerung. Das Menschenrecht auf Bildung ist auch in Deutschland unzureichend verwirklicht.“

-> Die Präsentation von Katja Römer als PDF

 

Die Ideenbörse:

Timm Duffner, Social Mission Manager bei Ben & Jerry’s/Unilever, berichtete darüber, wie das Unternehmen die SDGs in die Kommunikationspolitik integriert und mit einem sozial-ökologisch ausgerichteten Aufsichtsrat arbeitet.

Christoph Göller, Mitbegründer von Coolar, stellte die Geschäftsidee des Start-Ups vor: Einen stromlosen und mobilen Kühlschrank, der insbesondere der medizinischen Versorgung, aber auch der Lebensmittellagerung in den Ländern des globalen Südens dienen soll (Präsentation).

Maria Kleimann von Lush schilderte, welche Bezüge zwischen den SDGs und der Unternehmensphilosophie des Kosmetikherstellers bestehen – u.a. anhand des „Charity Pots“, einer Bodylotion, deren Erlöse komplett an NGOs fließen (Pressemappe).

Martin Sabbione, Finanzvorstand bei Sono Motors, repräsentierte ebenfalls die Start-Up-Szene: Die Firma will ein E-Auto auf die Straße bringen, das sich mit Solarzellen selbst versorgen kann und als mobiler Stromspeicher fungiert.