Netzwerker im Porträt


Einige unserer Netzwerker stellen sich vor

 

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Ute Scheub

Jahrgang: 1955
Ort: Berlin
Über mich: taz-Mitbegründerin, dort u.a. in der Umweltredaktion, seit 1997 freie Journalistin und Autorin mit Schwerpunkt Zukunftsfähigkeit und Geschichten des Gelingens. Ich habe insgesamt 18 Bücher verfasst und schreibe für deutsche und schweizerische Medien mit Fokus auf konstruktivem Journalismus.
Veröffentlichungen: Zuletzt u.a. „Glücksokonomie“ und „Ackergifte nein danke“. „Die Humusrevolution“ über regenerative Agrikultur, die die Klima- und Ernährungskrise zur Vergangenheit machen könnte, erscheint Anfang 2017.
Webseite: www.utescheub.de

1. Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?
Ich versuche das Wort zu vermeiden, weil es nach den vielen Waschgängen von Greenwashern in der Industrie jede Farbe verloren hat. Stattdessen rede ich von Zukunftsfähigkeit. Oder manchmal auch spielerisch von Nachwüchsigkeit.

2. Warum ist Nachhaltigkeit wichtig?
Weil wir sonst keine Zukunft mehr auf dem Planeten haben. Niemals in der Geschichte der Menschheit war das Jetzt gefräßiger und maßloser.

3. Welche Rolle spielt Journalismus für eine nachhaltige Entwicklung?
Viele Geschichten des Gelingens über ökosoziale Pioniere und ihre Projekte bilden zusammen ein neues Narrativ. Kaum jemand glaubt noch an die alte Erzählung – kapitalistisches Wirtschaftswachstum wird dafür sorgen, dass es unsere Kinder einmal besser haben –, aber die neue ist für viele noch nicht sichtbar. In dieses gefährliche Vakuum dringen nunmehr die Erzählungen und Lügen der Ewiggestrigen ein. Das müssen wir verhindern.

4. Welche Herausforderungen gibt es dabei?
Sehr viele. Eine davon ist die Kunst, Geschichten des Gelingens mit allen Schattierungen zu erzählen, also auch die Schwierigkeiten und das Scheitern zu schildern. Eine andere ist, dass Freie wie wir Recherche praktisch nicht mehr bezahlt bekommen. Mein persönlicher Tiefpunkt war eine einjährige Recherche über die Folgen des Ackergifts Glyphosat, die mir gerade mal 250 Euro einbrachte.

 

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Roy Fabian

Jahrgang: 1981
Ort: Hamburg
Über mich: freier Journalist und Autor für diverse Print- und Onlinemedien mit Schwerpunkten in Biodiversität & Artenschutz, Ernährung & Landwirtschaft sowie nachhaltiger Stadtentwicklung
Webseite: www.royfabian.de
Social Media: Twitter, Facebook

1. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich?
Es bedeutet, die planetaren Leitplanken zu akzeptieren, und den ernsthaften Versuch, das individuelle und gesellschaftliche Leben danach auszurichten. Dies wiederum bedeutet, seiner Umwelt auf Augenhöhe zu begegnen, Konsequenzen der eigenen (Nicht-)Entscheidungen einzupreisen sowie geistig beweglich zu bleiben, um auch lieb gewonnene Gewohnheiten zu reflektieren und anzupassen.

2. Warum ist Nachhaltigkeit wichtig?
Weil sie derzeitige und künftige Lebensgrundlagen der Menschheit, aber auch anderer Lebewesen in den Blick nimmt – mit überzeugenden Argumenten wissenschaftlichen wie ethischen Ursprungs. Freilich bleiben in punkto konkreter Ausgestaltung zahlreiche Fragenzeichen. Das macht Nachhaltigkeit zuweilen anstrengend, letztlich aber vor allem unglaublich spannend.

3. Welche Rolle spielt Journalismus für eine nachhaltige Entwicklung?
Ganz klassisch: Journalismus macht gesellschaftlich relevante Phänomene und Probleme sichtbar, indem er sie aufgreift, strukturiert, erklärt und einordnet. Insofern ist er als System der „Selbst- und Fremdbeobachtung“ (Frank Marcinkowski) sowie der zumindest momenthaften „Synchronisation“ (Alexander Görke) auch für eine nachhaltige Entwicklung entscheidend. Denn nur wenige Themen dürften derzeit höhere Relevanz besitzen.

4. Welche Herausforderungen gibt es dabei?
Neben den für den gesamten Journalismus gültigen Problemen – seien es die Fragmentierung der Aufmerksamkeit, bröckelnde Geschäftsmodelle oder die „Glaubwürdigkeitskrise“ – ist nachhaltige Entwicklung eine komplexe Angelegenheit, die es kreativ herunterzubrechen und zu erzählen gilt. Zugleich ist sie emotional aufgeladen, was die Gefahr birgt, dass entsprechende Berichterstattung zum undistanzierten „Aktivismus“ neigt. Ulrich Brenner, Ex-Leiter der Deutschen Journalistenschule, hat diesbezüglich eine ganz gute Leitlinie formuliert: „Man darf seinen Lesern ruhig vermitteln, dass es schwierig ist, eine eindeutige Position zu beziehen. Die Haltung, dass der Journalist allwissend ist, lehne ich ab (…).“ Denn: „Leser wollen nicht indoktriniert werden.“

5. Warum bist Du im Netzwerk Weitblick?
Um Ideen und Inspirationen auszutauschen und sich Schützenhilfe zu leisten. Auch derzeitige und möglicherweise kommende Veranstaltungsformate sind spannend.

 

Claus Reitan Claus Reitan

Jahrgang: 1954
Ort: Wien
Über mich: Journalist, tätig als Autor und Vortragender sowie in der Aus- und Fortbildung für Journalismus; zuvor Print-Chefredakteur (Tiroler Tageszeitung, Österreich; Die Furche); Mitbegründer des Vereins der Chefredakteure und des neuen Österreichischen Presserates; Träger des Zertifikats „Nachhaltigkeit und Journalismus“ (Leuphana Universität Lüneburg, D)
Veröffentlichungen: Mitherausgeber „Handbuch praktischer Journalismus“ (2004); Themen: Nachhaltigkeit, Politik, Gesellschaft, Migration, Integration; Monographien: Gesellschaft im Wandel (2014), Franz Schausberger – Politiker, Historiker, Europäer (2015); zahlreiche Beiträge, zuletzt: „Der Nachhaltigkeitsjournalismus muss raus aus der grünen Ecke“, in: Nachhaltigkeit und Journalismus; Herausgeber: Gerd Michelsen, Daniel Fischer; VAS, Bad Homburg 2016
Kontakt: claus.reitan@aon.at
Webseite: nachhaltigkeitskommunikation.at

1. Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?
Jene Bedingungen herzustellen, unter denen ein gutes Leben für alle Menschen auf Dauer möglich ist. Also die Fortsetzung der Politik der Menschenrechte.

2. Warum ist Nachhaltigkeit wichtig?
Weil ein Leben für alle Menschen unter humanitären Bedingungen nur dann zu erreichen ist, wenn die Dimensionen, Strategien, Konzepte, Instrumente und Regeln der Nachhaltigkeit zum Koordinatensystem der Politik werden (so, wie es jene der Demokratie bereits sind).

3. Welche Rolle spielt Journalismus für eine nachhaltige Entwicklung?
Unabhängiger Qualitätsjournalismus als eine Erzählung von der Welt (M. Lünenborg) und als eigenständiges Wissens- und Erkenntnissystem (H. Haas) erbringt eine unverzichtbare und unersetzbare geistig-kulturelle Dienstleistung in der Nachhaltigkeitskommunikation als einem gesellschaftlichen Lern-, Verständigungs- und Gestaltungsprozess (G. Michelsen).

4. Welche Herausforderungen gibt es dabei?
Klassische journalistische Qualifikationen zu erweitern, Leistungsfähigkeit der klassischen Medienunternehmen zu sichern, Öffentlichkeit zu erreichen.

 

susanne_wolfSusanne Wolf

Jahrgang: 1968
Ort: Wien
Über mich: freie Journalistin mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit, schreibe für österreichische Medien wie Konsument, Option, Verlagsgruppe News. Fokus auf konstruktivem Journalismus.
Veröffentlichungen:Nachhaltig Leben„, Verein für Konsumenteninformation (VKI), 2013; „Nachhaltig Leben mit Kindern“, VKI, Juni 2016
Webseite: susanne-wolf.com
Social Media: Facebook; Twitter

1. Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?
Ein Lebensstil, der Rücksicht nimmt auf nachfolgende Generationen: Ressourcenschonung, Umwelt- und Klimaschutz, bewusster Konsum, Verzicht auf Billigprodukte, die auf Ausbeutung in den Herstellerländern beruhen. Wie ich es persönlich umsetze: Ich besitze kein Auto, fahre, wenn möglich, mit der Bahn statt zu fliegen, nutze Ökostrom, esse kein Fleisch, kaufe (im Großen und Ganzen) nur, was wirklich notwendig ist, häufig auch gebrauchte Produkte, nutze Dinge so lange wie möglich oder lasse sie reparieren. Ein Anliegen ist es mir auch, diesen Lebensstil meinen Kindern zu vermitteln.

2. Warum ist Nachhaltigkeit wichtig?
Weil die Lebensqualität auf unserem Planeten davon abhängt; weil wir nicht nur für nachfolgende Generationen, sondern auch für Menschen in ärmeren Ländern mitverantwortlich sind.

3. Welche Rolle spielt Journalismus für eine nachhaltige Entwicklung?
Eine zentrale, da er aufklären, über Missstände informieren und über Alternativen und Lösungsvorschläge berichten kann.

4. Welche Herausforderungen gibt es dabei?
Der herkömmliche Journalismus konzentriert sich mehr auf Probleme als auf Lösungen – hier möchte ich mit konstruktivem oder lösungsorientiertem Journalismus gegensteuern.

5. Warum bist Du im Netzwerk Weitblick? 
Weil ich es wichtig finde, mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und unsere Ressourcen und Energien zu bündeln.