Aktionsforum: Wie bleibt Bienenhonig in den Medien kleben?


In einem Aktionsforum zum Thema Medien & Biodiversität diskutierten Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft, Umweltorganisationen, Medien und Bildungswesen Knackpunkte beim Austausch zwischen Medien und NGOs / Forschung.

Von Tina Teucher

Wie kommen Insekten und der Schutz der Artenvielfalt besser in die Schlagzeilen? Im Aktionsforum „Wie bleibt Bienenhonig in den Medien kleben?“ beim Tag der Insekten 2018 am 22.3.2018 in Bielefeld besprachen die Teilnehmenden, wie Journalisten die Aktionen und Erkenntnisse von Umweltorganisationen und Forschern besser aufgreifen können. Die Impulsgeber Susanne Bergius (Handelsblatt, Netzwerk Weitblick), Stefan Hörmann (Global Nature Fund) und Tina Teucher (Moderatorin für nachhaltiges Wirtschaften) beschrieben, dass Biodiversität sehr komplex ist und deshalb hauptsächlich einzelne „flagship“-Arten mediale Aufmerksamkeit bekommen. Das Thema erscheine kaum in Politik- oder Wirtschaftsteilen, die von Entscheidern gelesen werden. Der Fokus liege meist auf den Risiken, weniger auf den Chancen der Artenvielfalt für das menschliche Dasein.

Nicht nur Umweltorganisationen, auch Unternehmensvertreter zeigten Interesse daran, Biodiversität und ihre Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft stärker in die Wirtschafts- und Finanzberichterstattung zu bringen, sagte Stefan Hörmann. Es brauche einerseits den rationalen Ansatz, also die Vermittlung von Zahlen und Fakten. Andererseits benötigten Journalisten Storytelling, um gute Beispiele zu kommunizieren. Laut Susanne Bergius ist Medienschaffenden die Dringlichkeit des Themas nicht bewusst. Zudem lernen sie in ihrer Ausbildung selten interdisziplinär zu denken und arbeiten, was aber benötigt wird, um komplexe Zusammenhänge von Ökosystemen und Artenvielfalt darstellen zu können. Die Medienkrise lasse die Zeit für Recherche, Prüfung und Reflexion schrumpfen.

Zudem fehle es Wissenschaftlern und NGOs an einem Gespür für den Redaktionsalltag. Sie sollten das komplexe Thema Biodiversität herunterbrechen, Material anschaulich und prägnant gestalten. Meist lebt Journalismus vom Sensationswert einer Meldung, daher müsse sofort klar werden, warum eine Meldung relevant ist. Pressemitteilungen sollten das Wichtigste zuerst nennen und anschließend in konkreten Beispielen beschreiben. Die Relevanz lässt sich durch konkrete Anlässe, Besichtigungen oder die Exklusivität der Meldung erhöhen.

Für Qualitätsjournalismus, der Ereignisse und langfristige Folgen beleuchtet und lösungsorientiert ist, müssen Journalisten aus- oder weitergebildet werden. Die Teilnehmenden konstatierten einen Bedarf für Aus- und Weiterbildung von Journalisten zu Nachhaltigkeit und zu biologischer Vielfalt. Susanne Bergius schlug dafür ein Modul vor, das Journalisten tiefer über das Thema informiert und Handwerkszeug vermittelt. Im Aktionsforum erarbeiteten die Teilnehmer dafür Themen und Bausteine. So sollte zum Beispiel beschrieben werden, warum das Thema für den Leser relevant ist und was der „normale“ Mensch verändern kann. Für die Realisierung eines solchen Moduls benötigt das Netzwerk Weitblick nun Referenten, Orte und Material, sowie finanzielle Mittel.

Das Protokoll zum Aktionsforum fasst die Ideen und Erfahrungen zusammen.